Mein Name ist Więziennik (Gefangener) ,ich stehe hinter dem Gitter eines Restaurantfensters. Ich bin schon etwas älter, trage einen Bart und mein Fuß ist mit einer Fußfessel festgekettet.

Durch die Gitterstäbe hindurch sehe ich auf eine Straße. Gegenüberliegend ist eine lange Terrasse aus roten Steinen. Dort stehen schwarze Stühle und Tische aus rötlichem Holz auf denen sich die Touristen und Einwohner niederlassen und einen Kaffee trinken können. Große cremeweiße Schirme sorgen für einen angenehmen Schatten.

Ein schwarzes Geländer umgibt die Veranda. An diesem sind Blumenkästen befestigt, die bunt bepflanzt wurden. Auf die Terrasse führen Stufen aus grobem Stein. Außerdem stehen hinter der Veranda hohe, verschiedenfarbige Häuser. Es kommen die unterschiedlichsten Leute vorbei. Kleine schreiende Kinder, ältere Damen und Herren, die sich über die Jugend von heute aufregen. Teenager rennen mit ihren Handys in der Hand fast gegen Straßenlaternen und Mütter die mit Kinderwagen die ganze Straße blockieren. Das kann richtig anstrengend werden, jedoch bekommt man viele interessante Sachen mit.

Durch die Gitterstäbe und die Fußfessel fühle ich mich ein wenig eingeengt, langweilig wird mir aber eigentlich nie, da hier so viel los ist. Die Menschen unterhalten sich in den unterschiedlichsten Sprachen. Viele reden über die Stadt oder wie sie die nächsten Tage ihres Urlaubs gestalten wollen. Hinter den Gefängnisstäben bleibt mir oft nichts anderes übrig als den Leuten zuzuhören und sie zu beobachten. Manchmal bin ich es Leid nur hier herum zu sitzen, aber ich habe mich schon längst damit abgefunden.

Vor ein paar Tagen kam eine Gruppe Chinesen vorbei. Jeder von ihnen machte circa 20 Bilder – das war schon ganz schön nervig. Letztens kam ein älterer Herr mit seiner Staffelei. Er setzte sich viele Stunden auf die Straße und hat mich gezeichnet. Er hat eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt, das fand ich sehr schön. Ein weiteres schönes Erlebnis fand im Mai statt. Da hat ein junges Paar hier geheiratet. Da waren alle Menschen so glücklich und die Braut war wunderschön. An Tagen, an denen das Wetter schlecht ist kommt hier allerdings kaum jemand vorbei. Dann sitze ich hier ganz alleine und fühle mich dann ab und zu einsam.

Alles in allem ist mein Leben hier wirklich okay. Es macht mich nur traurig wenn ich andere Zwerge, wie zum Beispiel den mit dem Baguette und dem Wein sehe, viel bessere Umstände haben.

Text: Katharina Wünsche